Was ist Orientierungslauf?

Orientierungslauf ist eine Natursportart, in der man mit der Karte und dem Kompass die kürzeste Route wählen sowie alle Posten stempeln muss. Das schnelle, richtige Kartenlesen und richtige Routenplanung haben neben Laufen eine hohe Bedeutung. Geistige Anforderungen sind ebenfalls gefragt.

Den Wettbewerb gewinnt man, wenn man alle Posten in der richtigen Reihenfolge gefunden und die schnellste Zeit hat.

Sowohl in der Stadt als auch im Gelände (Wald, Berge) werden Wettbewerbe ausgetragen.

Es gibt "Sprint", "Mittel", "Lang", Staffel und Mixed.

Orientierungslauf ist deaflympisch. EM und WM sind auch vorhanden.

 

DGS hat Mitte September Orientierungslauf aufgenommen.


NEWS

Nordic Baltic Deaf Open Orienteering vom 14-16.09.2018 in Südschweden

 

Vom 14.-16.09. fanden die Nordic Baltic Deaf Open Orienteering (NDBOC) in Südschweden statt. Zu den Nordic Baltic gehören skandinavische Länder sowie Lettland, Estland, Litauen. Dieser Wettbewerb wurde offen ausgeschrieben, reisten über 100 gehörlose Orientierungsläufer aus ganz Europa, sogar 3 aus der USA nach Südschweden.

 

NDBOC findet alle 4 Jahre statt, wo keine sonstigen internationalen Meisterschaften wie EM, WM anstehen.

 

Erstmals ging Sergei Roskop vom GSV Braunschweig im Orientierungslauf in der DGS-Geschichte für DGS an den Start. Mit dabei waren Thomas Göpfert als Betreuer und Jens Struckmann (Heimtrainer von Sergei) als Begleiter. Da der Start und das Ziel fast immer nicht an der gleichen Stelle sind und man die Läufer nicht verfolgen kann, machten die Trainer und Betreuer gar mit. So können Betreuer und Trainer das Gelände besser kennenlernen und beurteilen.  Immer direkt nach dem Ziel wird über die Routen diskutiert.

 

Sergei Roskop machte sich im letzten Jahr 2017 bei der Leichtathletik schon aufmerksam. Davor war er noch für das ukrainische Land im Orientierungslauf erfolgreich unterwegs. Bei der WM 2015 in der USA gewann er gar Bronze im Sprint. Aufgrund des Passwechsels wurde er für zwei Jahren gesperrt und verpasste somit die Teilnahme am Deaflympics in Samsun. Deaflympics begannen ein Monat zu früh, da die Sperre seit der WM 2015 im August begann und erst nach den Deaflympics in Samsun im Juli ablief. Da die Startberechtigung beim ICSD vollgezogen wurde, ist er seitdem somit für Deutschland startberechtigt.

 

Sergei Roskop zeigte großes Interesse an diesen Wettbewerben. Thomas Göpfert hatte damals schon Interesse am Orientierungslauf. Doch aufgrund der vielen diversen Wettbewerben oder hartnäckige Verletzungen machten ihm die Teilnahme nicht möglich. Erst vor einigen Monaten lernte er diese Sportart kennen und war ihm die Regeln kar bewusst. Er stellte auch fest, dass Orientierungslauf komplett anders ist als nur Laufen, da die Technik, Orientierung, diverse Regeln und vor allem Stopp-Go-Runs die Natursportart durchaus sehr anspruchsvoll machen. Die größten Schwierigkeiten sind die Einhaltung der Regeln sowie schnelle Kartenlesen im Laufen. Das wird sehr viel Training mit viel Erfahrung verlangt. Jeder Wettbewerb ist neu, jedes Gebiet ist unterschiedlich. Zudem sind mehr Posten als auf der Karte vorhanden, so können die Läufer schnell die Posten verwechseln.

 

Im Orientierungslauf werden mehrere Läufer aus diversen Altersklassen an den Start geschickt. Man darf die anderen nicht folgen, da in jeder Altersklasse unterschiedlichen Postenreihenfolgen haben.

 

Da Orientierungslauf noch nicht im DGS anerkannt wurde, erfolgte die Teilnahme an NBDOC auf Eigenfinanzierung. Dank Unterstützung des hörenden Vereins MTV Braunschweig von Sergei machte ihm die Teilnahme möglich. Der Trainer Jens Struckmann begleitete seinen Schützling auf seine eigene Faust.

Sergei und Thomas wollten daher auch DGS aufmerksam machen, dass es auch deutsche gehörlose Orientierungsläufer gibt.

 

 1. Tag: 14.09.2018:

 

Am ersten Tag erfolgte der Sprint in der Stadt Perstorp, etwa 30km entfernt von der Unterkunft, wo alle gehörlose Teilnehmer untergebracht wurden. Der Wettbewerb begann am späten Nachmittag, so gegen 16 Uhr. Ab 15 Uhr war das gekennzeichnete Gebiet für alle Teilnehmer gesperrt. Wer dieses Gebiet betritt, erfolgte Disqualifikation. Es gab viele unauffällige Beobachter. Ab 15 Uhr müssen sich alle Teilnehmer im Quarantänegebiet befinden, in dem sie sich nur noch da aufhalten können, auch aufwärmen u.a. Meistens ist das Ziel im Quarantänegebiet. Der Start ist allerdings nicht dort, sondern 1,5km entfernt, so dass man die anderen nicht folgen, abschauen kann. Der Weg vom Quarantänegebiet zum Start ist auch gekennzeichnet. Wer anderen Weg wählt, erfolgt ebenfalls zur sofortigen Disqualifikation.

Auf dem großen Sportplatz fand der Start statt, der anschließend durch das ganze Wohngebiet verlief.

 

Aufgrund des hohen Organisationsaufwandes wurde der NBDOC im Rahmen der hörenden schwedischen Seniorenmeisterschaften durchgeführt. FC Brocken, der Verein war als Ausrichter und zeigte dem schwedischen gehörlosen Sportverband ein großes Herz. Satte ca. 600 schwedische Senioren waren am Start.

Erstmals in der DGS Geschichte startete Sergei. 2,2km Luftlinie mit 25 Posten. In der Realität lief Sergei ca. 3,5km und verlief am Podium knapp vorbei. Seine Stärke liegt im Sprint und belegte sehr starken 4. Platz, hinter zwei ukrainischen und einem russischen Läufer. Ein kleiner Fehler ist ihm unterlaufen, wo er durch einen kleinen Umweg wertvolle Sekunden verlor. Mit 14:53 sec kam er ins Ziel. Der Schnellste war 14:00 Minuten unterwegs.

 

 2. Tag 15.09.2018:

 

Am zweiten Tag stand der Wettbewerb „Mittel“ auf dem Programm. Er fand nicht in Perstorp, sondern in einem Waldgebiet in der Nähe von Örahult statt. Am Morgen regnete es in Strömen und zwar in Intervallen. Erst gegen Mittag ließ der Regen nach.  Als erster von allen Läufern war Sergei am Start.  Gleich am Anfang brachten viele in Schwierigkeiten, um an den ersten Posten zu kommen.

 

Durch sehr dichtes Wald und vielen Hügeln, sowie Sumpfgebiete musste man meistern, Posten zu finden.

Die schwedische Landschaft wird von vielen Experten als sehr schwierig gestuft.   

18 Posten mit 4,7km Luftlinie. Sergei Roskop erreichte nach 33:53 Min als 9. das Ziel. Russland und Ukraine dominierten erneut.

 

3. Tag 16.09.2018:

 

Am dritten Tag fand der letzte Wettbewerb "Lang" statt, der erneut neu ausgeschrieben wurde, dh. der Start ist 2km vom Ziel entfernt, so muss jeder diesen Weg vor dem Start zulegen! Niemand weiß, wo der Start ist. Die Strecke zum Start ist markiert und darf nicht verlassen werden.

 

Morgens war es sehr frisch und kalt, ca. 4 Grad und Nebel. Rechtzeitig zum Start zeigte die Sonne ihre Laune. 

Wie am zweiten Tag ging Sergei als erster in der Altersklasse an den Start. In der kleinen Stadt Dalshult direkt am Waldrand war der Start. Zunächst durch Allee, bevor der offizielle Start richtig begann. Man merkte direkt nach dem Start beim Kartenlesen, dass es durchaus eine schwierige Strecke wird. Der erste Posten war durchaus schwierig zu finden. Durch sehr abwechslungsreiche Landschaft wie Sumpf-, Moos-, Waldgebiete mit vielen kleinen Mauern, an Flüssen, an einem großen See vorbei, mussten Orientierungsläufer laufen. Es war relativ schön.

 

Als guter 7. kam Sergei ins Ziel. Der Schnellste benötigte 10 Min weniger. Er sagte, dass er an einigen Stellen Probleme hatte, Posten direkt zu finden und somit auch wertvolle Zeit verloren hatte. Wie gesagt, jeder Wettbewerb ist anders und dadurch sammelt man wertvolle Erfahrung.

In der Altersklasse von Sergei hatten 9 Läufer nicht alle erforderlichen Posten gefunden, so waren nur 18 gewertet.

Nach der Siegerehrung war die Heimfahrt angesagt.

 

Insgesamt war es eine top organisierte Veranstaltung, die reibungslos verlief. Die Atmosphäre war einmalig. Finnland zeigte Interesse als nächster Ausrichter des NBDOC in vier Jahren (2022).




Ansprechpartner:

Thomas Göpfert

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